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Der Gestaltansatz

Aus der Geschichte der Gestalttherapie

Nach Jahren des Studiums und des Arbeitens, des Durchlebens eigener Lebenskrisen und des Durcharbeitens eigener psychotherapeutischer Prozesse, sowie nicht zuletzt nach der Flucht vor den Verfolgungen des deutschen Nationalsozialismus, entwickeln der deutsche Psychoanalytiker Fritz Perls (1893 - 1970) und seine Frau, die Gestaltpsychologin Laura Perls (geborene Lore Posner) (1905 - 1990) im südafrikanischen Exil der 1930er- und 1940er-Jahren erste Ansätze einer neuen psychotherapeutischen Schule, die sich zunehmend vom machtvollen Deutungsanspruch der Psychoanalyse abgrenzt. Sie beginnen, den ‚sicheren' Platz hinter der Couch zu verlassen und sich selbst als ganze Menschen in die personale und dialogische Beziehung zu ihren Patienten zu stellen. In der Folge ihrer Übersiedlung nach New York Ende der 1940er Jahre begegnen sie dem amerikanischen Schriftsteller, Soziologen und politischen Aktivisten Paul Goodman (1911 - 1972). Mit ihm gemeinsam entwickeln sie ihren ersten Ansatz der Konzentrationstherapie weiter und geben ihm 1951 den Namen Gestalttherapie, der sich aus der Gestaltpsychologie ableitet, die in den Jahren zuvor zunehmend an Bedeutung gewonnen hatte.

"Das Ganze ist mehr und etwas anderes als die Summe seiner Teile."  Anknüpfend an Aristoteles hatte 1890 Christian von Ehrenfels erstmals auf die ‚Gestaltqualitäten' hingewiesen und so den Wissenschaften eine neue Richtung gegeben. Gestaltpsychologen wie Max Wertheimer, Kurt Koffka, Wolfgang Köhler und Kurt Lewin (Berliner Schule) sowie Adhemar Gelb und Kurt Goldstein (Frankfurter Schule) wendeten diese Erkenntnisse schließlich auf die Psychologie und Pädagogik an und erschlossen der Gestalttherapie damit einige ihrer essentiellen Quellen.

Zu den besonderen Stärken der Gründerinnen und Gründern gehört, dass sie ihre eigenen und teils ganz persönlichen Inspirationen, Erfahrungen, Ideale und kreativen Potentiale = ihr Herz (!) in die sich neu entwickelnde Therapieform einbringen und sie dadurch prägen:
Laura Perls studiert bei dem Gestaltpsychologen Adhemar Gelb sowie den Religions- und Existenzphilosophen Paul Tillich und Martin Buber in Frankfurt. Neben den existenzphilosophischen Ideen bringt sie vor allem Bubers Beziehungsphilosophie mit dem herausragenden Dialogischen Prinzip der Ich-Du-Beziehung in die Gestalttherapie ein, die ohne dieses humanistische Juwel heute weder denkbar, noch erlebbar wäre. Edmund Husserls phänomenologische Lehrsätze weisen den Weg zum ‚Hier und Jetzt'.

Musik und Tanz, für die Laura Perls in jener Zeit Begeisterung, vertiefte Kenntnisse sowie herausragende Fähigkeiten entwickelt, gehören heute vielleicht nicht zum klassischen Handwerkszeug der Gestalttherapie, stehen aber seit jeher für ihre besondere Lebendigkeit. Sie finden unter den Gestalttherapeut/innen aller Generationen wieder viele faszinierte Anhänger.

Das gilt in besonderer Weise auch für weitere expressive Ansätze. Fritz Perls hegt schon als junger Mann eine große Vorliebe für das von Max Reinhard revolutionierte Theater und die damals noch junge, von Jakob Moreno entwickelte Methode des Psychodrama. Philosophisch fühlt er sich von Salomo Friedlaender und dessen Theorie der Schöpferischen Indifferenz angezogen. Er wird zudem in besonderer Weise von den Psychoanalytikern Wilhelm Reich und Karen Horney beeinflusst.

Paul Goodman, der Lyriker, politische und gesellschaftskritische Schriftsteller und Sozialphilosoph, wird in den 1960er Jahren zu einer herausragenden Figur der Human-Potential-Bewegung in den USA. Der revolutionäre, unkonformistische Geist, den die Gestalttherapie bis heute atmet, hat eine seiner wichtigsten Quellen in seiner Person. Dazu entfaltet Goodman seine überragende Fähigkeit, den weit verzweigten Gedankensträngen eine schlüssige sprachliche Form zu geben. Die gestalttherapeutischen Grundlagenwerke von Fritz Perls, Ralph Hefferline und Paul Goodman gehen vorrangig auf seine Autorentätigkeit zurück.

In großen Teilen der amerikanischen Gesellschaft der 1960er Jahre finden die neuen Ideen begeisterte Anhänger. Der aufklärende Geist der Studenten-, Bürgerrechts- und Friedensbewegungen, sowie die Abkehr von den konservativen und entwicklungsfeindlichen Produktions- und Lebensbedingungen schaffen Raum für neue psychologische, philosophische und spirituelle Konzepte. Die (Wieder-) Entdeckung natürlicher und Ressourcen schonender Lebensformen, alternativer Behandlungskonzepte in Medizin und Therapie und indischer und fernöstlicher Philosophien und Meditationen, finden in der zunehmend sinnentleerten und konsumorientierten westlichen Welt tiefe Resonanz und breiten Zulauf.

In diesem Klima finden Fritz und Laura Perls sowie Paul Goodman und die sich ihnen anschließenden Kolleg/innen und Freunde den fruchtbaren Boden für die wissenschaftliche Weiterentwicklung und gesellschaftliche Verankerung der Gestalttherapie. Fritz Perls lebt und arbeitet zu dieser Zeit im bestimmenden Zentrum dieser Bewegung, in Esalen /Big Sur an der kalifornischen Westküste. Sein expressiver Arbeitsstil bestimmt lange Zeit das öffentliche Bild der Gestalttherapie. Eine andere, weniger spektakulär in der Öffentlichkeit stehende, doch aus heutiger Sicht nicht minder bedeutende Hochburg der Gestalttherapie etabliert sich seit den 1950er Jahren in New York, an der amerikanischen Ostküste. Ihre wichtigsten Vertreter zu jener Zeit sind Laura Perls, Paul Goodman, Isadore From, Paul Weisz und Edward Shapiro.

Über internationale Grenzen hinaus bekannt geworden und für die Gestalttherapie von herausragender Bedeutung sind weiterhin Gestalttherapeut/innen wie Miriam und Erving Polster, Joseph Zinker (Cleveland), Jim Simkin, Bob Resnick, Gary Yontef (Los Angeles), Daniel Rosenblatt, Arnold Beisser, Barry Stevens, Ischa Bloomberg, Violet Oaklander, Claudio Narranjo, Gordon Wheeler und andere mehr.

Seit den frühen 1970er Jahren beginnen ihre Wegbegleiter und Nachfolger in Europa und Deutschland den Fächer der Gestalttherapie immer weiter auszubreiten und für frischen Wind in der hiesigen Psychotherapielandschaft zu sorgen. Anfangs vor allem in intellektuellen Kreisen oder im alternativen Milieu der Selbsthilfegruppen Fuß fassend, bilden sich seit den 1970er Jahren verschiedene Stile und Ausbildungskonzepte aus. Sie finden ihren Widerhall in einer Vielzahl von Aus- und Weiterbildungsinstituten und deren eigener Curricula, den organisierenden Dachverbänden für Gestalttherapie und Gestaltpädagogik, verschiedenen gestalt-therapeutisch orientierten Kliniken und einer großen Zahl freier Praxen mit stark auf die Persönlichkeit ihrer jeweiligen Inhaber/innen ausgerichteten Angeboten und Arbeitsstilen. So wie hier in der  Gestalt-Praxis.

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